Nachdem ich mir angeschaut habe, wer ich bin und wofür ich stehe, kommt jetzt der Teil, der deutlich mehr Spaß macht: die visuelle Identität.
Denn eine Personal Brand lebt nicht nur von Worten. Sie lebt auch davon, dass Menschen dich wiedererkennen – und zwar nicht erst nach dem dritten Absatz, sondern im Idealfall schon nach dem ersten Blick. Farben sind dabei nicht einfach „hübsches Beiwerk“, sondern ein Signal: Das hier gehört zu mir. Das hier ist mein Versprechen – visuell.

Natürlich kann man es sich leicht machen und einfach „irgendwas Hübsches“ wählen. Aber nicht alles, was man schön findet, passt auch zur eigenen Persönlichkeit. Ich finde moderne Einrichtungen toll – aber mein Herz schmilzt im Antiquitätenstore. Und genau deshalb wollte ich das Thema Farben gewissenhafter angehen. Wenn ich mir schon eine visuelle Sprache baue, dann soll sie nicht wie ein fremdes Kostüm wirken. Sie soll sich anfühlen wie… ich. (Nur in strategisch.)
Also habe ich mir die Frage gestellt:

Welche Farben sind eigentlich schon da?

Und erstaunlicherweise gibt es dafür ein paar ziemlich ehrliche Datenquellen. Nicht „Pinterest“, nicht „Trendfarbe 2026“, sondern Dinge, die in meinem Alltag sowieso schon verraten, was sich nach mir anfühlt:

  • Die Haare – vor allem, wenn man sie färbt. Dann ist es ja nicht „passiert“, sondern eine Entscheidung.
  • Die Lieblingsstifte – zu welchen Farben greift man immer wieder, wenn man etwas unterstreichen, markieren, sichtbar machen will?
  • Der Kleiderschrank – aber nur, wenn er nicht komplett aus Zufall, Frustkäufen und „wird schon irgendwie passen“-Teilen besteht.

Meine Haare sind dabei tatsächlich ein ziemlich eindeutiger Hinweis: Ich trage bewusst einen Mahagoni-/Burgunderrotton. Nicht, weil das zufällig „nett“ aussieht, sondern weil er sich nach mir anfühlt: warm, klar, ein bisschen dramatisch – aber kontrolliert. Und ganz ehrlich: Wenn man bereit ist, regelmäßig Zeit und Geld in einen Farbton zu investieren, dann ist das vermutlich mehr als reine Laune.

Dann wären da noch meine Lieblingsstifte: Orange und Salatgrün. Das sind die Farben, zu denen ich automatisch greife, wenn ich etwas wichtig finde, wenn ich Struktur schaffen will oder wenn ich etwas lebendig machen möchte. Ich könnte behaupten, das sei rein funktional. Aber ich vermute: Das ist auch ein kleiner Fingerabdruck. Eine Art Mini-Persönlichkeit in Textmarkerform.
Und dann kommt natürlich der größte Datenhaufen: der Kleiderschrank.

Der Kleiderschrank als Spiegel – leider ehrlich

Nun war ich noch anfand des Jahres nicht mit einem perfekt sortierten Kleiderschrank gesegnet, daher musste ich ganz vorn anfangen: Ich habe alles aus jeder Schublade herausgezerrt und rigoros aussortiert, was nicht mehr passt, nicht mehr präsentabel war oder seit Jahren in den Ecken vor sich hin gammelte.
Danach kam der Teil, bei dem man sich kurz fragt, ob man wirklich noch ganz richtig ist: Ich habe jedes Kleidungsstück, plus Accessoires, Schuhe und Taschen fotografiert und digitalisiert. Ich benutzte dafür die Whering-App – und ja: Das hat ewig gedauert. Aber es war eine dieser seltenen Aktionen, bei denen man am Ende wirklich schlauer ist.

Und ich muss zugeben: Die Opening-Szene von Clueless hat dabei vermutlich eine gewisse Rolle gespielt. Ich meine nur – welcher Fan des Films wollte bitte nicht diese digitale Garderobe?

Als alles digitalisiert war, konnte ich endlich auf einen Blick sehen:
• wovon ich zu viel oder zu wenig habe,
• was sich wunderbar mit anderen Kleidungsstücken kombinieren lässt,
• und was sich mit nichts kombinieren lässt (Hallo, wunderschönes Einzelstück mit sozialer Phobie).

Aber das Wichtigste war etwas anderes: Ich konnte sehen, welche Farben meine Garderobe organisch dominieren. Nicht als Theorie, sondern als echtes Muster. Farben, die ich anscheinend immer wieder wähle, weil sie sich nach mir anfühlen, weil sie funktionieren, weil sie mein Energielevel tragen.

Das Ergebnis war eine echt interessante Mischung: Weiß, Schwarz, Grau und Denim als unschlagbare Basis, dazu diverse Rot- und Pinktöne, Marineblau und Salat-/Giftgrün.

Und damit ergab auch meine Haarfarbe Sinn: Burgunder/Mahagoni sitzt genau in diesem warmen, kräftigen Spektrum. Es ist nicht „ein Extrading“, sondern gehört offensichtlich in meine natürliche Farbwelt. Und meine Lieblingsstifte (Orange und Salatgrün) sind dann wahrscheinlich das, was ich „Akzentenergie“ nennen würde: kleine Signale, die Dinge lebendig machen.

Von „ich mag das“ zu „das ist meine Brand“

Bis hierhin war das alles noch keine Branding-Strategie. Es war eher: Selbstbeobachtung mit System. Nur weil eine Farbe in meinem Alltag vorkommt, heißt das nicht automatisch, dass sie in meine Personal Brand gehört. Zumindest nicht in die professionelle Linie für Blog und Social Media. Denn Kleidung kann vielfältig sein. Sie darf Stimmung, Situation und Persönlichkeit zeigen. Eine visuelle Markenlinie dagegen muss vor allem eins: wieder erkennbar sein. Und Wiedererkennung entsteht nicht, wenn man alle Möglichkeiten gleichzeitig nutzt.

Ich habe deshalb angefangen zu recherchieren, welche Bedeutungen Farben transportieren und welche davon ich mit gutem Gewissen in meine professionelle Personal Brand integrieren möchte. Nicht nach dem Prinzip „Was ist gerade trendy?“, sondern nach der Frage: Passt das zu meiner Mission, meinen Werten und meinen professionellen Stärken?

Die Entscheidung: Fokus statt Farbsalat

Klar war vor allem eins: Ich kann nicht alle nehmen. Das wäre zu viel, zu verwirrend, und von Einheitlichkeit könnte ich mich direkt verabschieden.

Deshalb habe ich mich entschieden, für meinen Online-Auftritt bewusst mit einem Farbspektrum zu arbeiten: Rottöne.

Marineblau und Grün habe ich zwar auch in meiner Garderobe gefunden, aber das gehört eher zu meinem persönlichen Stil. Für Blog und Social Media will ich eine klare Wiedererkennung. Und dafür wähle ich den roten Bereich, der ohnehin schon „organisch“ in meiner Welt vorkommt: von Mahagoni/Burgunder über klarere Rottöne bis hin zu weicheren Pink-Nuancen.

Nächster Schritt

Im nächsten Schritt baue ich aus dieser Farbsammlung eine konkrete Palette, die ich für Blog und Social Media nutzen kann – mit Regeln, damit die Farben nicht nur schön sind, sondern auch funktionieren.

Also: Stay tuned.

P.S.: Farbpsychologie – und was mein Kleiderschrank (angeblich) über mich verrät

(Disclaimer: Farbassoziationen sind kultur- und kontextabhängig. Das hier ist keine Diagnose, eher ein Spiegel mit Augenzwinkern.)

Wenn ich meine dominierenden Kleiderschrankfarben zusammennehme, dann transportieren sie ungefähr folgende „Signale“:

  • Weiß: Klarheit, frischer Start, Ordnung, Leichtigkeit
  • Schwarz: Eleganz, Kante, Autorität, „ich meine es ernst“
  • Grau: Ruhe, Neutralität, Professionalität, Ausgleich
  • Denim/Jeansblau: Bodenständigkeit, Pragmatismus, Alltagstauglichkeit („ich kann auch einfach machen“)
  • Burgunder/Mahagoni: Tiefe, Reife, Wärme, kontrollierte Dramaturgie
  • Kirschrot/kräftiges Rot: Energie, Mut, Präsenz, Handlungsimpuls
  • Rosa/Pink: Menschlichkeit, Wärme, Nahbarkeit – weiche Stärke statt Härte
  • Marineblau: Verlässlichkeit, Stabilität, Kompetenz („du kannst dich auf mich verlassen“)
  • Salatgrün (frisch): Lebendigkeit, Neugier, Wachstum, Experimentierfreude
  • Giftgrün (knallig): Unkonventionalität, Aufmerksamkeit, „ich bin nicht langweilig“
  • Orange: Kreativität, Schwung, Optimismus, Spieltrieb

Und wenn man das alles zusammenrührt, ergibt sich laut meinem Kumpel ChatGBT ungefähr dieses Persönlichkeitsbild:

Eine Person, die Struktur liebt, aber keine Lust hat, dabei unsichtbar zu werden.
Klarer Kopf (Weiß/Grau), klare Kante (Schwarz), alltagstauglich und pragmatisch (Denim) mit einem warmen, mutigen Kern (Rot/Burgunder) und einer deutlich sichtbaren Portion Neugier & Spiel (Grün/Orange). Kurz: seriös genug für Verantwortung – und kreativ genug, um nicht einzuschlafen.

Na? Meint ihr es könnte passen? ;P

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