Ehrlich – es gibt wohl kaum eine Frage, die ich mehr hasse als diese: Wer bin ich?

Jedes Mal, wenn ich in eine Situation komme, in der ich nach einer Vorstellung gefragt werde, verfalle ich in eine Entscheidungs-Lähmung: Welches ICH soll ich bitte vorstellen? Welche Schublade passt am besten? Wie viel kann ich verraten, um authentisch genug, aber nicht too much zu sein? Und wer bin ich bitte – wenn ich nun mal einfach BIN.

Sorry – deep philosophical thinking here. Wer weiß, ob ich je darauf eine zufriedenstellende Antwort zusammenbekomme. Zum Glück ist es einfacher, diese Frage zu beantworten, wenn man von vornherein beschließt, nur einen Teilaspekt der Persönlichkeit zu beleuchten: das professionelle Selbst.

Und damit wird „WER BIN ICH“ im Rahmen von Professional Personal Branding plötzlich etwas, das ich tatsächlich aushalte: kein Seelenstriptease, kein „definiere dich endgültig“, sondern ein Arbeitsrahmen, der Entscheidungen leichter macht. Eine Art Innenarchitektur. Mission, Werte, Regeln – und ein paar klare Grenzen, damit ich nicht jedes Mal bei Null anfange, wenn ich etwas veröffentlichen oder entscheiden soll.

Meine Mission

Bevor wir also die 1-Million-Dollar-Frage klären, wen ich als berufliches Individuum verkörpern möchte, klären wir doch erstmal die Frage: Was will ich eigentlich erreichen? Was könnte ich als meine berufliche Mission bezeichnen – ist es eine? Oder mehrere?

Nun – ich bin eine Person, die zuhört, Muster erkennt, Unausgesprochenes wahrnimmt – und dann daraus etwas macht, das andere greifen können: eine Struktur, eine Karte, eine klare Entscheidung.

Ich mag Komplexität. Ich finde sie attraktiv, weil ich gedanklich schon dabei bin, das Chaos zu zähmen und in eine Form zu bringen. Gerade deswegen finde ich auch Menschen so faszinierend: allesamt hochgradig komplexe Individuen, die es wert sind, dass man sie etwas intensiver betrachtet.

(Die seltsame, leicht masochistisch angehauchte Liebe zur Komplexität war vielleicht auch der Grund, warum ich mich damals fast dazu entschieden hätte, Raumfahrt zu studieren – einfach weil das Studienprofil so scheiße komplex klang, dass ich Schmetterlinge im Bauch hatte allein von der Aussicht, mich in die Lage zu bringen, in der ich das einfach lernen MÜSSTE. Ja, ich weiß – wir haben alle unsere Macken. Nice, wenn man sie monetarisieren kann.)

Und ich bin verliebt in Kreativität. Zuerst wollte ich sagen: Geschichten. Aber das ist es nicht, was mich wirklich innerlich antreibt. Es ist Kreativität als solche – kreative Marketinglösungen, Kunst, gekonnte Rhetorik, innovative Businesslösungen, Neuinterpretationen von Märchen, Bücher, Filme – alles, was die Bandbreite menschlicher Kreativität zeigt.

Und nicht nur, dass ich mich selbst gern von kreativen Mindsets begeistern lasse – ich finde es fast noch schöner, wenn ich es schaffe, andere Menschen auf dieselbe Art und Weise zu begeistern. Sei es ein Geburtstagsgeschenk, eine selbstgebackene Motivtorte, eine kreative Lernstrategie, ein tiefgründiges Gespräch über Gott und die Welt, eine crazy Buchidee – egal was. Hauptsache, sie lächeln und sagen: „I love it – aber wie kamst du nur auf sowas?“

Was wäre also zusammenfassend meine Mission? Wenn ich mich auf einen Satz festnageln muss, dann ist es dieser:

Und „beeindrucken“ meine ich nicht im Sinne von „ta-da, schaut her“. Eher so: dieses leise Staunen, wenn jemand merkt, dass er gesehen wurde. Wenn man nicht nur das Offensichtliche wahrnimmt, sondern auch die kleinen Nebensätze, die man selbst fast schon vergessen hat.

(So wie: „Verrückt, dass du an diesen kleinen Nebensatz gedacht hast… und daraus gemerkt hast, was ich gerne als Geburtstagsgeschenk hätte.“)

Das ist für mich Beeindrucken. Nicht Lautstärke. Sondern Aufmerksamkeit. Genau hinschauen. Vielleicht ein Muster erkennen. Und dann etwas daraus machen, das passt: eine Idee, ein Vorschlag, ein Satz, eine Entscheidung, eine Lösung.

Werte (oder: Wie ich unterwegs bin, wenn niemand zuschaut)

Hier könnte jetzt eine Liste stehen, die man auf Kaffeetassen drucken kann. Aber ich glaube, Werte sind nur dann wirklich interessant, wenn sie sich im Alltag zeigen – also genau dann, wenn es unangenehm wird: wenn jemand im Meeting so tut, als hätte er deine Idee erfunden. Wenn der Ton kippt. Wenn Stress reinkommt. Wenn man merkt, dass „wir sind ein Team“ in Wahrheit manchmal auch nur ein sehr optimistischer Satz ist.

Meine wichtigsten Werte sind deshalb sehr alltagstauglich:

  • Respektvoll, wertschätzend. Nicht als „wir halten Händchen“-Vibe, sondern als Grundhaltung. Ich arbeite gern ernsthaft, aber nicht unmenschlich.
  • Freundlich im Ton, streng in der Sache. Ich kann warm sein und trotzdem verbindlich. Ich mag klare Absprachen. (Und ja: Ich finde Verbindlichkeit attraktiv – beruflich.)
  • Humor & Positivität – gerade in Stressphasen. Nicht, weil alles immer lustig ist, sondern weil Humor oft genau der Riss ist, durch den wieder Luft reinkommt.
  • Neugier. Wenn ich nicht neugierig bin, bin ich nur noch eine To-do-Liste auf zwei Beinen. Neugier ist bei mir kein Hobby – sie ist Motor.
  • Visual first. Wenn etwas komplex ist, mache ich es sichtbar: Skizze, Board, Karte, Prozess. Sobald man es sehen kann, kann man darüber sprechen. Und sobald man darüber sprechen kann, kann man es lösen.
  • Done > Perfect. Nicht als Ausrede, sondern als Gegengift. Ich kann Perfektion nämlich ziemlich überzeugend als „Anspruch“ tarnen – dabei ist es manchmal einfach nur Angst, etwas Unfertiges zu zeigen.

Kurz: Ich will nicht nur „kreativ“ wirken. Ich will verlässlich sein. Und ich will, dass sich Zusammenarbeit mit mir menschlich anfühlt – ohne dass am Ende alles im Nebel bleibt.

Red Lines (oder: Wo ich nicht mitspiele)

Jetzt kommt der Teil, der sich immer ein bisschen hart anfühlt, obwohl er eigentlich sehr freundlich ist: Grenzen.

Ich habe gelernt, dass Red Lines kein Drama sind, sondern ein Service. Für mich und für andere. Sie sparen Zeit, Energie und diese seltsamen Situationen, in denen man sich später fragt: Warum habe ich da eigentlich ja gesagt? Meine Red Lines sind:

  • Kein Betrug, keine Täuschung, kein Hintergehen. Ich will keine Arbeit machen, die auf Trickserei basiert.
  • Keine respektlosen Umfelder. Ich kann viel. Aber ich will nicht in Umfeldern sein, in denen Menschen klein gemacht werden.
  • Keine 24/7-Verfügbarkeit. Ich lebe nicht in einem Vakuum. Ich habe Familie, Gesundheit, ein echtes Leben – und ich will langfristig gut arbeiten, nicht kurzfristig brennen.

Devisen (oder: Die Sätze, die mich zurückholen)

Und dann gibt es diese kleinen Sätze, die mich wieder auf Kurs bringen, wenn mein Gehirn überdramatisiert:

  • „Wir sind alle nur Menschen.“
  • „Shit happens.“
  • „Es funktioniert – ich muss nur herausfinden, wie.“
  • „Einfach schwimmen…“ (zitiert von Dori, Findet Nemo)

Das sind keine Glitzer-Affirmationen. Eher meine innere Notfall-Werkzeugkiste. Manchmal reicht ein Satz, um wieder handlungsfähig zu werden.

Und wer bin ich jetzt?

Wenn „Wer bin ich?“ einmal halbwegs steht, passiert etwas Interessantes: Entscheidungen werden leichter. Nicht, weil plötzlich alles klar ist – sondern weil es einen Rahmen gibt, der mich zurückholt, wenn ich wieder anfange, mich zu verzetteln oder mich in „welches Ich präsentiere ich heute?“ zu verlieren.

Und wenn ich mich jetzt trotzdem ganz mutig auf drei Sätze festnageln muss, dann wären es diese:

Im nächsten Beitrag geht es deshalb um die nächste Frage: Wie zeige ich mich? Weil – you know – Visual first;P

Also: Stay tuned.

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